Die meisten Leute würden hohe Standards für eine gute Sache halten. Das Streben nach Exzellenz kann zeigen, dass du eine gute Arbeitsmoral und Charakterstärke hast. Hohe Standards können dich auch dazu bringen, dein Höchstleistungsniveau zu erreichen. Zum Beispiel trainieren Sportler oft lange und hart, um Spitzenleistungen in ihrem Sport zu erreichen.

Perfektionismus hingegen beinhaltet die Tendenz, so hohe Standards zu setzen, dass diese entweder nicht oder nur sehr schwer erfüllt werden können. Perfektionisten neigen dazu zu glauben, dass alles, was nicht perfekt ist, schrecklich ist und dass selbst kleine Unvollkommenheiten zu einer Katastrophe führen. Zum Beispiel glauben die meisten Menschen, dass es wichtig ist, sein Bestes zu geben und keine Fehler zu machen. Aber sie glauben auch, dass es unvermeidlich ist, dass jedem von Zeit zu Zeit Fehler unterlaufen – das dann aber nicht bedeutet, dass sie in ihrer Sache völlig versagt haben.

Erwachsene Perfektionisten neigen allerdings dazu zu glauben, dass sie niemals Fehler machen dürfen und dass ein Fehler bedeutet, dass sie ein Versager oder eine schreckliche Person wären, weil sie dadurch andere enttäuschten. Falls du auch so tickst, ist es für dich sicherlich beängstigend, Fehler zu machen.

Der Versuch perfekt zu sein führt wahrscheinlich auch dazu, dass du dich oft gestresst und vielleicht sogar enttäuscht von dir selbst fühlst, weil du deinen eigenen Standard nicht leicht oder überhaupt nicht erfüllen kannst. Im Laufe der Zeit könntest du sogar glauben, dass du nicht so fähig bist wie andere.

Daher lohnt es sich, darüber nachzudenken, diese Standards ein wenig zu lockern, um den Stress und die Angst zu lindern, wenn man sich so sehr bemüht perfekt zu sein.

Kennst du den Unterschied zwischen einem Leistungsträger und einem Perfektionisten?

Es gibt einen grundlegenden Unterschied bei diesen beiden Charakteren. Beide wollen erfolgreich sein – jedoch ist der Leistungsstarke motiviert, sein Bestes zu geben, während Perfektionisten von ihrer Angst getrieben werden – dabei werden sie gelähmt von der Vorstellung ihres eigenen Scheiterns.

Bevor wir besprechen, wie man Perfektionismus überwindet, sind hier ein paar wichtige Dinge, die man darüber wissen sollte:

  • Perfektionismus kann unser Selbstwertgefühl, unsere Lebensfreude und unser Friedensgefühl stark schmälern, da er zu immensem Stress, Angst vor Verurteilung oder Unzulänglichkeitssorgen führen kann.
  • Merkmale des Perfektionismus sind oft mit psychischen Problemen wie Angstzuständen, Zwangsstörungen und Stress verbunden.
  • Menschen, die Perfektionisten sind, setzen sich selbst unter Druck, um unerreichbare Standards zu erfüllen. Sie sind sehr kritisch und gehen hart mit sich in Gericht, bei allem, was nicht ihren Standards entspricht.
  • Perfektionisten befürchten auch, dass sie zu minderwertigen Menschen werden und ihre Ziele nicht erreichen, wenn sie nicht nach Perfektion streben.
  • Manchmal ist bei Perfektionisten die Angst vor dem Scheitern so erschreckend groß, so dass sie zögern und lieber etwas gar nicht tun, wenn es nicht perfekt gemacht werden kann.
  • Wir schaden anderen Menschen, wenn wir uns dem Mythos des Perfektionismus hingeben, indem wir unrealistische Erwartungen an unsere Umgebung stellen.

Perfektionismus kann dich deprimiert, frustriert, ängstlich und sogar wütend machen – besonders wenn du dich ständig dafür kritisierst, dass du deinen Job nicht gut genug gemacht hast, nachdem du bereits soviel Zeit und Mühe in die Aufgabe gesteckt hast.

Beispiele für perfektionistische Gefühle:

  • Schwarz-Weiß-Denken (z. B. „Alles andere als Perfektion ist ein Misserfolg“; „Wenn ich Hilfe von anderen brauche, bin ich schwach“)
  • Katastrophales Denken (z. B. „Wenn ich vor meinen Kollegen einen Fehler mache, werde ich die Demütigung nicht überleben“; „Ich kann nicht damit umgehen, dass sich jemand über mich aufregt.“)
  • Aussagen wie z.B. „Ich sollte niemals Fehler machen“;  „Ich sollte nie nervös oder ängstlich wirken“ oder „Ich sollte Probleme immer vorhersagen können, bevor sie auftreten.“

Beispiele für perfektionistisches Verhalten:

  • Chronischer Aufschub, Schwierigkeiten beim Erledigen von Aufgaben oder leichtes Aufgeben
  • Übermäßig vorsichtig und gründlich bei Aufgaben (z. B. 3 Stunden mit einer Aufgabe verbringen, für die andere 20 Minuten brauchen)
  • Exzessive Überprüfung (z. B. 30 Minuten damit zu verbringen, eine kurze E-Mail an den Chef nach möglichen Rechtschreibfehlern zu durchsuchen)
  • Ständig versuchen, Dinge zu verbessern, indem man sie neu macht (z. B. ein Arbeitsdokument mehrmals umschreiben, um es „perfekt“ zu machen).
  • Sich über kleine Details quälen (z. B. welchen Film man ausleihen soll)
  • Ausführliche To-do-Listen erstellen (z.B. Aufstehen, Zähneputzen, Duschen etc.)
  • Vermeiden von neuen Dingen, um Fehlern aus dem Weg zu gehen

Drei Tipps um deinen Perfektionismus zu überwinden

1. Nimm deinen Perfektionismus wahr!

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Welche der oben genannten Anzeichnen treffen auf dich zu?

2. Hinterfrage deinen Perfektionismus!

Möglichkeit 1:   Realistisches Denken

Da Erwachsene Perfektionisten oft sehr selbstkritisch sind, besteht eine der effektivsten Möglichkeiten den Perfektionismus zu überwinden darin, selbstkritische oder perfektionistische Gedanken durch realistischere und hilfreichere Aussagen zu ersetzen.

Es ist eine gute Idee, diese hilfreichen Aussagen regelmäßig zu üben. Selbst wenn du ihnen nicht sofort glaubst, werden positive realistische Gedanken durch genügend Wiederholungen zur Gewohnheit und helfen, die negativen Selbstgespräche zu verdrängen:

  • „Niemand ist perfekt!“
  • „Alles, was ich tun kann, ist mein Bestes!“
  • „Einen Fehler zu begehen, bedeutet nicht, dass ich minderwertig oder ein Versager bin. Es bedeutet nur, dass ich wie alle anderen bin – ein Mensch. Jeder macht Fehler!“
  • „Es ist in Ordnung nicht die ganze Zeit gut drauf zu sein. Jeder hat mal einen schlechten Tag.“
  • „Es ist okay, wenn mich manche Leute nicht mögen. Niemand wird von allen gemocht!“

Möglichkeit 2:   Stelle dir folgende Fragen

  • Wie könnte jemand anderes (z. B. ein enger Freund) diese Situation sehen?
  • Gibt es andere Möglichkeiten, meine Situation zu betrachten?
  • Was könnte ich einem engen Freund sagen, der ähnliche Gedanken hatte?

Möglichkeit 3:   Das große Ganze betrachten

Perfektionisten neigen dazu, sich in Details zu verzetteln und viel Zeit damit zu verbringen, sich über „die kleinen Dinge“ Gedanken zu machen (z. B. welche Schriftart in einer E-Mail verwendet werden soll). Eine hilfreiche Strategie sich weniger um Details zu kümmern, besteht darin, sich die folgenden Fragen zu stellen:

  • Ist es wirklich wichtig?
  • Was ist das Schlimmste, was passieren könnte?
  • Wenn das Schlimmste passiert, kann ich es überleben?
  • Wird das morgen noch von Bedeutung sein? Oder nächste Woche? Nächsten Monat? Nächstes Jahr?

3. Belohne dich!

Da es harte Arbeit ist, sich seinen Ängsten zu stellen und alte Vorgehensweisen zu ändern, solltest du dir immer die Zeit nehmen, dich für all die Arbeit zu belohnen, die du leistest. Es ist sehr motivierend, sich ab und zu etwas zu gönnen. Eine Belohnung kann sein, gut essen oder einfach spazieren zu gehen, mit Freunden auszugehen oder sich einfach nur etwas Zeit zum Entspannen oder Verwöhnen zu nehmen.

Ich wünsche dir viel Erfolg!

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Deine Bianca

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